Erfolgsgeschichten

Eine Geschichte von Béatrice Stössel

Die Autorin und Buchverlegerin Béatrice Stössel trägt schon seit Jahren Hörgeräte aus unserem Haus und erzählt über Ihre Erfahrungen. Weiter zu Ihrer Webseite>

Hochleistungscomputer mit Bluetooth Verbindung.

Du nuschelst. Sprich deutlicher. Sprich lauter. Immer wieder haute mir meine Mutter diese Sätze um die Ohren. Und um dieses Thema geht es heute. Um das Hören, das Verstehen – um das gesprochene Wort.

Nur zu gut erinnere ich mich an die Zeit, als das Gehör meiner Mutter nachliess. Ein Gang zum Ohrenarzt bestätigte was ich längst vermutete, sie hatte einen Hörschaden. Das war die schlechte Nachricht. Ihr konnte mit Hörgeräten geholfen werden, das war die gute. Flavio, der Akustiker, den wir seit Jahren kannten, bereitete alles sorgfältig vor und kurze Zeit später setzte er die massgefertigten Hörhilfen in Mutters Ohren. Sie staunte, lauschte wieder verzückt dem Zwitschern der Vögel. Sie hörte plötzlich alles, auch was wir flüsterten und sie eigentlich nicht hätte vernehmen sollen. Aber die Welt um sie herum war ihr zu laut, so klagte sie. Das wird sich geben, erklärte Flavio. Das Gehirn müsse erst wieder lernen zu unterscheiden, um die akustische Spreu vom Weizen zu trennen. Doch sie wehrte sich mit Händen und Füssen gegen diesen Lernprozess, „verlor“ eines der Geräte. Kurze Zeit später „verschwand“ auch das andere Stück und war unauffindbar. „Ich höre auch ohne Hörgeräte gut!“, behauptete sie. Nur: wir mussten alles Gesprochene mehrfach wiederholen, lauter reden und erhielten, weil sie es falsch verstand, widersprüchliche, fehlerhafte, oft gar absurde Antworten. Mit der Zeit waren wir es müde immer zu wiederholen und nickten einfach, auch wenn es nichts zu nicken gab. Mehr und mehr driftete meine Mutter ab in die Einsamkeit. Ich schwor, sollte es bei mir zu einem Hörschaden kommen, dieses Problem positiv anzugehen.

2004 war es so weit. Die Diagnose: IV-Stufe 1, auf beiden Ohren notabene. Seither trage ich diese Wunderdinger der Technik Tag für Tag und bin begeistert, welche Lebensqualität ich mit diesen, kaum sichtbaren Gehörhilfen erfahren darf. Es sind Hochleistungscomputer mit Bluetooth Verbindung sowohl zum Fernsehgerät als auch zum Handy und ich verstehe jedes Wort. Und nicht nur das, ich bewege und unterhalte mich problemlos auch bei Lärm in Gesellschaft. Das ist einer der kritischen Punkte, welcher von vielen Trägern immer wieder beanstandet wird, wenn sie diese Dinger tragen müssen. Doch ich weiss aus Erfahrung, dass das Hirn sich erst an die völlig neue Situation des Hörens gewöhnen muss. Das dauert ein Weilchen.

Je früher man diese Hörhilfen trägt und je konsequenter man übt, desto schneller lernt das Hirn zu adaptieren. Das bestätigt jeder Ohrenarzt oder Akustiker. Und wissen Sie was? Ich geniesse noch viel mehr Komfort. Als ich kürzlich im Zug unterwegs war und arbeiten wollte, schnatterten im Abteil gegenüber ein paar Reisende laut und hatten es furchtbar lustig. Ein Klick auf meine „Ersatzohren“ und das Gekicher rückte komplett in den Hintergrund und ich konnte mich wieder problemlos auf meine Schreiberei konzentrieren. Ohne diese technischen Wunderwerke, wäre ich dem Lärm der Mitreisenden schonungslos ausgesetzt gewesen und hätte mich ziemlich geärgert.

Und deshalb möchte ich eine Lanze brechen und Sie, liebe Leserin, geschätzter Leser dazu ermuntern, sich im Falle eines Falles rechtzeitig und mit Courage einem Hörverlust offen und vorurteilslos zu stellen. Auch sehe ich überhaupt nicht ein, warum man deren Existenz verstecken sollte. Man müsste sie im Grunde genommen mit einem attraktiven Design sichtbar machen. Heute, wo die Jungen kaum mehr ohne die weissen Stöpsel in den Ohren auf die Strasse gehen und so der Umwelt demonstrieren, dass sie tolle Musik hören und jederzeit kabellos telefonieren können. (Geht mit meinen Stöpseln übrigens ebenfalls hervorragend). Man trägt eine Brille als modisches Accessoire, warum nicht auch ein Hörgerät? Das werde ich beim nächsten Testbesuch beim Hersteller gleich mal vorbringen. Ja, Sie lesen richtig, ich gehöre zu den Personen, die mit den Forschern diese unzähligen Experimente durchführen, um immer bessere und raffiniertere Apparate zu entwickeln. Ich bin „Versuchskaninchen“ und teste die Hörgeräte der Zukunft. Da wirke ich aus voller Überzeugung mit, weil ich weiss, dass Menschen die nicht mehr gut hören, sich mit der Zeit absondern. Sie werden vom richtigen Leben ausgeschlossen. Das muss heute nicht mehr sein. Darum: wenn Sie feststellen, dass Ihre Umgebung nuschelt, vertrauen Sie sich einer Fachperson an, die Ihr Gehör überprüft. Testen Sie die Geräte und geniessen Sie es Botschaften wieder zu hören. Vielleicht ist ja eine Liebeserklärung dabei. Es wäre doch schade, würden Sie diese nicht verstehen. ;-)